Eisschwimmen oder Winterbaden mögen für viele Menschen abschreckend klingen, doch die positiven Auswirkungen auf Körper und Geist sind beeindruckend. Das kalte Wasser stärkt das Immunsystem und verbessert die Durchblutung. Zudem werden Endorphine freigesetzt, die zu einem Gefühl des Glücks führen können und somit auch die mentale Gesundheit steigern. Zusätzlich kann regelmäßiges Eisbaden der Fettverbrennung zugutekommen, da es braune Fettzellen im Körper aktiviert. Die körperliche Anstrengung beim Schwimmen in kaltem Wasser trägt dazu bei, dass man sich fitter und gesünder fühlt.
Es ist jedoch zu beachten, dass ein einzelnes Mal nicht ausreicht, um den gewünschten Effekt auf das Immunsystem zu erzielen. Regelmäßigkeit ist entscheidend - etwa zweimal pro Woche.
Übrigens gehört diese Sportart genauso wie Rodeln in Ländern wie Finnland, Polen, Russland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen und Tschechien zum Winter dazu.
Die aufregende Welt des Schwimmens im Winterentdecken.
Eisbaden ist keine neue Modeerscheinung, sondern hat bereits in der Zeit von Hippokrates an Bedeutung gewonnen. Es wird auch schon seit langem als Therapie in Kurhäusern nach Kneipp angewendet und unsere Großmütter wussten bereits um die straffende Wirkung kalter Duschen auf das Bindegewebe. Sowohl Hippokrates als auch unsere Omas hatten recht.
Aber was bedeutet Eisbaden eigentlich genau? Dabei handelt es sich um das Schwimmen im offenen Gewässer bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius. Ab einer Wassertemperatur über 5 Grad Celsius spricht man vom Winterschwimmen.
Es mag zunächst einschüchternd wirken, sich bei niedrigen Temperaturen ins eisige Wasser zu begeben. Doch sobald du es einmal ausprobiert hast, wirst du schnell merken, dass dieses Abenteuer lohnenswert ist!
Wer den Mut hat, in den Wintermonaten zu schwimmen, sollte sich gründlich darauf vorbereiten.
Zu Beginn empfindet man es, als würde man von tausenden Nadelstichen durchbohrt werden. Eine Art Akupunkturbehandlung bei einem Sadisten. Man möchte keinen einzigen Schritt mehr machen. Aber nach fünf Atemzügen wagt man einen kleinen Schritt vorwärts. Die Schmerzen sind zunächst größer als erwartet: Man bekommt Schnappatmung, der Körper kämpft ums Überleben und dann bleibt die Luft weg. Doch wenn man langsam weitergeht und seine Ängste überwindet, spürt man den Moment der Erlösung und fühlt sich ein Stück weit wie neu geboren.
Wer den Mut hat, vom Warmduscher zum Eisschwimmer zu werden, sollte sich intensiv darauf vorbereiten. Es ist keine gute Idee für Untrainierte einfach ins kalte Wasser zu springen, da die Gefahr eines lebensgefährlichen Kälteschocks besteht. Darüber hinaus können auch Hirninfarkte, Hirnblutungen oder Schlaganfälle durch den erhöhten Blutdruck verursacht werden.
Deshalb ist es ratsam, sich langsam heranzutasten und vorzubereiten. Am besten lässt man sich im Vorfeld von seinem Arzt oder seiner Ärztin beraten und eine Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems mit einem Elektrokardiogramm (EKG) durchführen.
Um das erste Eisbad vorzubereiten, empfiehlt es sich generell im Sommer oder Herbst zu beginnen und schrittweise in die Saison einzusteigen. Man kann dies beispielsweise mit kalten Duschen tun und dabei allmählich die Dauer steigern. Beim Duschen sollte man seine Atmung trainieren - langsam und gleichmäßig ein- und ausatmen. Anschließend stellt man das Wasser auf kalt - gegebenenfalls in mehreren Schritten. Normalerweise atmet man nun hektisch und schnell aufgrund des Kälteschocks. Der Trick besteht darin, auch bei kaltem Wasser die Atmung unter Kontrolle zu behalten und sie bewusst langsam auszuführen. Die Kälte wird dadurch anders empfunden - nicht mehr so schmerzhaft wie am Anfang.
Man sollte zunächst in freien Gewässern im Herbst beginnen, wenn das Wasser noch wärmer ist. Alkohol und Koffein sollten vermieden werden, da sie die Blutgefäße erweitern und zu schnellem Auskühlen führen können. Stattdessen kann man auf heißen Ingwertee zurückgreifen, der von innen gut wärmt.
Es ist ratsam, mit einer Schwimmboje zu baden, an der man sich im Notfall festhalten kann. Gerade am Anfang sollte man niemals alleine ins kalte Wasser gehen - immer einen Badepartner dabei haben.
Wenn man zum ersten Mal eintaucht, sollte man nur wenige Sekunden im Wasser bleiben und idealerweise einen Neoprenanzug (keinen Trockenanzug) tragen. Mit jeder weiteren Erfahrung kann die Zeit im Eiswasser allmählich gesteigert werden und nach einigen Versuchen kann auch auf den Neoprenanzug verzichtet werden. Kopfbedeckung sowie Handschuhe und warme Neoprensocken sind wichtig zum Schutz von Kopf, Haaren sowie Händen und Füßen. Denn 30 Prozent unserer Wärme geben wir über den Kopf ab und Hände sowie Füße kühlen schnell aus.
Atemübungen helfen dabei, Ruhe zu finden - auch in kaltem Wasser.
Nach dem Schwimmen gilt es unbedingt warmzuhalten: Schnell abtrocknen und warme Kleidung anziehen, denn unser Körper kühlt auch außerhalb des Wassers weiter ab.
Nach dem Eisbaden sollten keine turnerischen Übungen zur Aufwärmung durchgeführt werden, da dies den Kreislauf überlasten und zu gefährlichen Schockzuständen führen kann.
In Eislöchern sollte niemals abgetaucht werden, wenn die Arme noch unter der Eisdecke sind. Auch in Seen und Weihern können Strömungen auftreten, die einen vom Einstiegsloch entfernen könnten.
Wenn man nach dem Eisbaden müde wird, ist es ratsam, eine Pause einzulegen. Müdigkeit deutet darauf hin, dass unsere Adrenalinproduktion nicht mehr richtig funktioniert.
Jeder, der mehr auf den Rippen hat, hat einen Vorteil, er ist schlichtweg besser isoliert.
Wenn du es schaffst, dich ein- oder zweimal pro Woche der Kälte auszusetzen, wirst du schnell lernen, damit umzugehen. Schon nach wenigen Wochen kannst du auch bei viel niedrigeren Wassertemperaturen schwimmen gehen. Es gibt eine einfache Regel für den Effekt von kaltem Wasser auf unseren Körper: Je kälter das Wasser ist, desto weniger Zeit solltest du darin verbringen. Bei 10 Grad sind etwa 10 Minuten angemessen, bei 9 Grad ungefähr 9 Minuten und so weiter. Sobald die Temperatur unterhalb von 2 Grad fällt, reichen bereits zwei Minuten im Wasser vollkommen aus.
Josef Köberl,
ein Rekord-Eisschwimmer und leidenschaftlicher Kältefanatiker, ist der Präsident der österreichischen Abteilung der "International Ice Swimming Association". Er bietet in Wien Kurse zum Eisschwimmen am Badeschiff an. Zudem führt er den 1- oder 4-tägigen Eisschwimm-Workshop am Hintertuxer Gletscher durch. Informationen zu Terminen und Preisen findet man auf seiner
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Webseite.
In Österreich finden jedes Jahr mehrere regionale und nationale Veranstaltungen statt.
Es war noch vor Kurzem kaum vorstellbar, dass Eisschwimmen jemals zu einer offiziellen Sportart heranwachsen würde. Doch heute gibt es tatsächlich Wettkämpfe für das Eis- bzw. Winterschwimmen über verschiedene Distanzen (50 m, 100 m, 200 m, 1000 m) und Disziplinen (Freistil, Brustschwimmen, Rückenschwimmen und Delfin). Sogar Landes-, Kontinental- und Weltmeisterschaften werden ausgetragen, z. B. die Winterschwimmen Weltmeisterschaft 2024 in Talin.
In Österreich finden jedes Jahr mehrere Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel das Silvesterschwimmen in Pertisau am Achensee und Altenwörth, das Neujahrsschwimmen in Waidhofen an der Ybbs sowie das Dreikönigsschwimmen in Amstetten und Alpbachtal.
Es existieren zwei Organisationen für das Eisschwimmen: die International Ice Swimming Association und die International Winterswimming Association. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Verbänden liegt in der Wassertemperatur, welche bei der Ice Swimming Association auch bei längeren Strecken niedriger sein kann.
Text: August Aust