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Podcast 002-3: Die Ausrüstung für mein größtes Abenteuer

Der Rest meiner Habseligkeiten wurde in Mülltüten in einen gewöhnlichen Wanderrucksack gepackt, der weder wasserdicht noch wasserabweisend war, in der Hoffnung, dass der Inhalt trocken bleibt, wenn ich ins Meer falle. Ausprobiert habe ich es noch nicht.



Diese Habseligkeiten waren ein Schlafsack, ein T-Shirt, eine kurze Hose, ein kleiner Gaskocher, eine Feldflasche, Besteck, Zigaretten durften nicht fehlen, Feuerzeug, Reisepass, mein gesamtes verbleibendes Geld und eine gewöhnliche Straßenkarte zur groben Orientierung des Standortes nach der täglichen Ankunft am Strand.


In den letzten Tagen habe ich die restlichen Surfbretter und Segel verkauft, genauer gesagt fast verschenkt. Den Jeep, den Fallschirm und all meine anderen Besitztümer, die allesamt in eine Reisetasche passten, wurde bei Diego, dem Restaurantbesitzer, in seiner Garage untergebracht.

Podcast 002 in Video

Podcast von August Aust

Heute ist es die letzte Nacht unter einem festen Dach.

Bei Diego zeigte sich der spanische Stolz, denn eigentlich wollte ich ihm alles schenken. Doch er lehnte höflich ab. Es überstieg meiner Vorstellungskraft, dass ich die Dinge eines Tages wieder brauchen würde oder gar an diesen Ort zurückkehren würde.


Ich lebe schon seit geraumer Zeit mehr nach dem Motto: Ich bin noch nicht dort, wo ich sein möchte, aber zum Glück bin ich auch nicht mehr dort, wo ich einmal war. Auch wenn mir selbst nicht bewusst war, wo ich hin möchte, werde ich meinen Platz durch kontinuierliches Voranschreiten irgendwann finden.


Heute habe ich einen Termin im Chiringuito, da Pedro Kontakt zur lokalen Zeitung “La Voz de Almería” aufgenommen hat. Sie möchten ein Interview mit mir führen und in den nächsten Tagen einen Artikel mit Fotos veröffentlichen.


Pedro, ein hilfsbereiter Italiener mit Geschäftssinn, betreibt gemeinsam mit seiner Frau den Chiringuito am Strand von Gabo de Gata. Neben der Strandbar vermietet das Paar auch zwei Apartments. Die Unterkünfte sind einfach ausgestattet, bestehen aus den vier obligatorischen Wänden darüber ein Flachdach, vergitterten Fenstern, einem Bett, einem Tisch, zwei Stühlen, einem alten Schrank, einem zweiflammigen Campingkocher und einem Spülbecken. Für die Dusche müssen die Gäste den Außenbereich des Innenhofs aufsuchen.


Zum dritten Mal wohne ich hier; die Unterkünfte sind preiswert und es gibt auch keine besseren in der Umgebung. Das heute die letzte Nacht unter einem Dach sein wird und dies für längere Zeit lässt bei mir keine Traurigkeit aufkommen.

Strand von Gabo de Gata

Strand von Cabo de Gata

Ein surrealistisches Zeitungsinterview mit der Voz de Almería

Am Strand wartete bereits der Journalist, der zugleich als Fotograf fungierte. Das Interview wurde auf wackeligen Stühlen am Strand vor dem Chiringuito aufgezeichnet. Auf Fragen nach meinem genauen Endziel war ich ebenso unvorbereitet wie auf die Frage, ob ich während des Windsurfens etwas kochen könnte. Irgendwann nach dem zweiten oder dritten Cubata (Rum mit Cola) kam der Journalist in Stimmung und meinte, dass wenn ich die iberische Halbinsel umsegeln und entlang der Küste von Frankreich weitersegeln würde, könnte ich schließlich in England und London ankommen.


So entstand die mögliche Überschrift des Zeitungsartikels: "Österreicher segelt mit einem Windsurfbrett von Gabo de Gata nach London".

Diese surreal anmutende Überschrift ist schwer zu überbieten, da es mit dieser Ausrüstung nie möglich sein wird, London zu erreichen. Eigentlich sehnte mich nach wärmeren Gefilden.


Während der Fotoaufnahmen waren die Windverhältnisse wie erwartet. Bei Windstärke unter 2 war das Board instabil und bewegte sich nur wenig vorwärts. Nach 15 Minuten waren die Aufnahmen im Kasten und in dieser Zeit war ich kaum 50 Meter vorangekommen. Mit Schwimmen wäre man schneller gewesen. 

Ehemalige Goldmine bei Rodalquilar.

Ehemalige Goldmine bei Rodalquilar. 17 km von Cabo de Gata entfernt. Rodalquilar erlebte zwischen 1880 und 1890 einen wahren Goldrausch. In besten Zeiten erreichte die Produktion eine Ausbeute von 15 Gramm geschmolzenes Gold pro Tonne Rohgestein. 

Nach ein paar weiteren Drinks kam schließlich die Frage auf, warum man sich auf ein solches Abenteuer einlässt. Meine Standardantwort, dass mich das Ungewöhnliche reizt, schien ihn zufriedenzustellen und das Interview war beendet.

Nun begann die "party time" im Chiringuito von Pedro.

Das Leben eines angehenden Abenteurers konnte so wunderbar sein.

Kirche bei den Salinas, Gabo de Gata

Die katholische Kirche in Las Salinas wurde im frühen 20. Jahrhundert zwischen den Stadtteilen La Almadraba de Monteleva und Cabo de Gata erbaut.

Dem Leben in Freiheit näherkommen.

Die Gedanken an den nächsten Tag ließen mich auch während der Party nicht los, obwohl reichlich Alkohol floss.

Endlich war es so weit, ab morgen wird sich alles ändern und ich werde mit 31 Jahren meinem Traum von einem Leben in Freiheit näherkommen. Jeder Tag wird einzigartig sein und keiner wird dem vorherigen gleichen. Ich werde täglich neue Orte entdecken, immer wieder interessante Menschen kennenlernen und fast oft ein neues kleines Abenteuer erleben. Es erwartet mich eine Reise voller Überraschungen und Herausforderungen, doch ich fühle mich bereit für alles, was kommen mag. So werden die nächsten Monate sein oder auch nicht.

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